1 = 3 = 1 ? Nachdenken über die Trinität

Der trinitarische Gott, der zugleich und untrennbar  Vater und Sohn und Heiliger Geist ist, ist nicht biblisch, sondern eine Erkenntnis der kirchlichen Dogmatik. Die beruft sich dazu zwar auf Bibelzitate, die belegen das Dogma von Gottes Dreieinigkeit aber nur mit der Hilfe von von außen herangetragenen Interpretationen. Das gilt auch für den besonders gerne angeführten Anfang des Hebräerbriefes, der dem „Sohn“  die Funktion zuschreibt, dass Gott „durch ihn“ die Welt geschaffen habe, ihn aber bei aller ihm zugeschriebenen Hoheit nicht mit Gott selber identifiziert.

Das gilt auch für 1. Johannes 5, 20: „Er ist der wahrhaftige Gott…“, wo umstritten ist, worauf sich das „der (er)“ bezieht: auf den Sohn oder den vorher erwähnten Wahrhaftigen, Gott selber. Und auch, wenn es sich auf den Sohn bezieht, ist eher anzunehmen, dass hier von der subjektiven Erfahrung der Gemeinde des Johannes, die im Sohn den Vater erfährt, die Rede ist als von einer Identifikation.

Insbesondere das Johannesevangelium spricht viel vom Verhältnis Vater – Sohn, die dabei aber, bei aller Bezogenheit aufeinander, immer deutlich unterschieden werden.

Auch andere zweigliedrige Bekenntnissätze, etwa 1. Korinther 8, 6., sowie dreigliedrige Formeln wie der Taufbefehl Matthäus 28, 19., 1. Korinther 12, 4f., 2. Korinther 13, 13. und Epheser  4, 4 – 6. lassen das innere Verhältnis der darin genannten Vater und Sohn und Geist zueinander offen: Ob sie zu dritt eins sind oder nur zu dritt miteinander wirken, bleibt der Phantasie der Leser und Leserinnen überlassen.

Erst mit Bildung der Staatskirche im 4. Jahrhundert entstand von oben das Bedürfnis, auch solche Bekenntnisfragen einheitlich zu klären. Anfang des 4. Jahrhunderts brach in der Gemeinde Alexandria ein Streit zwischen dem Presbyter Arius und dem Metropoliten Athanasius aus: Arius wollte Jesus Christus zu den Geschöpfen Gottes zählen, Athanasius erkannt in ihm Gott selber. So wurde es dann 325 auf einer Synode in Nicäa knapp entschieden, doch ging der Streit weiter und erfasste weite Teile der Kirche, wobei die arianische Seite meist in der Mehrheit war, die athansianische aber die Kaiser auf ihrer Seite hatte. Erst auf dem großen Konzil zu Konstantinopel 381 wurde – eindeutig auf Druck des Kaisers Theodosius d. Gr. – die Entscheidung für Athanasius getroffen; Anhänger des arianischen Bekenntnisses mussten, wie zuvor schon Arius selber, ins Exil am Schwarzen Meer gehen, wo sie dann die Westgoten arianisch bekehrten. Im Abendland galt die Lehre des Arianus fortan als Ketzerei.

Der Grund für die Entscheidung des Kaisers lässt sich leicht rekonstruieren:  Wenn Jesus Christus Gott gleich, ja, mit ihm identisch ist, ist auch die Kirche, die ihn  repräsentiert und gar im Abendmahl „verwaltet“, eine göttliche Institution, über die der Kaiser wacht, der auf diese Weise etwas von seiner mit dem römischen Heidentum untergegangenen Göttlichkeit zurückerhält. Genaugenommen dient diese Lehre nicht der Ehre Gottes, sondern der Macht der Kirche.

Die Reformation hat aus erklärbaren Gründen nicht den Mut gefunden, die altkirchlichen Bekenntnisse, das Apostolikum oder Nicänum-Konstantinopolitanum, kritisch zu hinterfragen. Im Gegenteil, um der eigenen Katholizität (= Allgültigkeit) willen, hat sie anfangs selber solche als Ketzer verfolgt, die die Trinität Gottes in Zweifel zogen (Michel Servet, 1553 in Genf verbrannt). Jedoch hat sich aus der Kritik daran, dank Sabastien Castello, im reformierten Raum die Tolerierung anderer Glaubensweisen durchgesetzt. In seiner Schrift „Von den Häretikern, ob man sie verfolgen soll“ kommt Castello, von der Prädestinationslehre her argumentierend, zu einem klaren Nein, das sich dann durchsetzte und eine bunte Menge von Freikirchen schuf.

Das strikte Bekenntnis nach der Formel von Konstantinopel „…und an einen Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes, der als Einziggeborener aus dem Vater gezeugt ward, d.h. aus dem Wesen des Vaters, Gott von Gott, Licht von Licht, wahrhaftiger Gott aus wahrhaftigem Gott, geboren, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch welchen alles geworden ist, sowohl was im Himmel wie was auf Erden ist, der um uns Menschen und um unseres Heiles willen herabgestiegen und Fleisch geworden ist, der Mensch ward, litt und am dritten Tag auferstand, aufgefahren ist gen Himmel (und) kommen wird, um Lebende und Tote zu richten…“ ist heute auch naiven Gemeindemitgliedern kam abzufordern, und Konfirmanden schon gar nicht.

Für den praktischen Glauben ist es nicht relevant, ob Jesus Christus ein Geschöpf Gottes ist (wahrer Mensch!) oder aus ihm gezeugt (wahrer Gott!), sondern dass wir in ihm die Nähe und Liebe Gottes zu uns Menschen erfahren und die Mithineinnahme von uns Heiden in das Bundesverhältnis Israels, was uns dann erlaubt, Gott Vater zu nennen, wie auch Jesus es tat. Und ob der Heilige Geist nun auch wieder beide ist, Vater und Sohn, oder von ihnen oder nur von einem von ihnen ausgehend weht, wo und wie er will, ist irrelevant, wenn er es nur schafft, in uns den Glauben an den uns zugewandten Gott Israels und vielleicht noch andere nützliche und gute Ideen zu wecken.

In der Reformierten Kirch gilt, dass jedes Bekenntnis so lange gilt, bis uns die Schrift in unserer Zeit eines Besseren belehrt. Vielleicht belehrt sie uns auch, dass es das Bessere ist, Gott und sein Verhältnis zu Sohn und Geist nicht von uns aus festzulegen, sondern ihm selbst zu überlassen…

(Siehe dazu auch -> weitere Predigten ->  zu  2. Korinther 13, 11 – 13.)