Jahreslosung 2017

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Ezechiel 36, 26a.

Der Spruch legt die Frage nahe: Was ist denn mit dem bisherigen Herzen und dem bisherigen Geist? Was macht diese Austauschaktion nötig oder wenigstens sinnvoll?

Dem kann man nachgehen, indem man den Monatsspruch in seinem Zusammenhang anschaut: Vers 25 verheißt, dass Gott reines Wasser über die Angeredeten sprengt, sie rein zu machen von allen kultischen Unreinheiten und von allen ihren Scheißgötzen (Ezechiel ist da gerne drastisch). Vers 26b verspricht den Austausch des steinernen Herzens gegen eins aus Fleisch, und Vers 27 begründet den Geistesaustausch „damit ihr nach meinen Satzungen lebt und meine Rechtsvorschriften wahrt und ausführt.“ Eingebettet sind diese Aussagen über den Austausch von Herz und Geist in Landverheißungen: In Vers 24 wird angekündigt, dass ER – einleitend wird er mit dem Gottesnamen JHWH genannt – „euch“ aus den Völkern, d. h. aus der Verbannung in Babylonien und Assyrien sammeln wird auf der eigenen Erde, also im den Vorfahren verheißenen Land Israel. Das wird in Vers 28 präzisiert und darum erweitert, dass sie IHM SEIN Volk und ER ihnen Gott sein wird.

Womit haben diese das göttliche Recht missachtenden und den Kult verunreinigenden Anhänger von Scheißgötzen das verdient? Das könnte man im Jahr des Reformationsjubiläums mit Luther aus Paulus‘ Rede von der Zurechtbringung der Gottlosen (Römer 3 und 4) begründen: sola gratia – nur aus Gnade!

Man sollte aber den Zusammenhang der Jahreslosung noch weiter betrachten, auch um Paulus‘ Rede von der Zurechtbringung der Gottlosen besser zu verstehen. Der ganze Abschnitt wird nämlich mit Vers 22 eingeleitet: „So spricht der Herr JHWH: Nicht euretwegen handle ich, Haus Israel, sondern für den Namen meiner Heiligkeit, den ihr entweiht habt bei den Völkern… Die Völker werden erkennen, dass ich JHWH bin … indem ich mich vor ihren Augen an euch als heilig erweise.“

Dreierlei scheint mir in Bezug auf die Jahreslosung wichtig festzuhalten:

1. Sie spricht vom Gottesvolk Israel in einer bestimmten historischen Situation und doch zugleich zeitlos. Gottes geschichtliches Handeln an seinem Volk – ob im 6. Jahrhundert vor unserer oder im 20. unserer Zeitrechnung – geschieht nicht allein des Volkes Israels wegen – aber auch keineswegs getrennt von ihm und seinem Land – sondern als Zeichen für alle Völker, dass sie Gott erkennen.

2. Wie und wozu Gott erkennen? Als Alternative zu den Scheißgötzen der Unreinheit und Rechtlosigkeit, etwa der nationalen Hybris, des Rassismus, des Wirtschaftsliberalismus, der den Reichtum der Reichen auf Kosten der Armen mehrt, innerhalb der Nationen wie unter ihnen.

3. Bei all dem geht es um die Ehre und Heiligkeit des Namens, der für den Gott Israels steht, für das Leben in Freiheit und Selbstbestimmung und Solidarität – und nicht um irgendeine Art von Selbstverherrlichung, die es ja nur auf Kosten anderer gibt…