Monatsspruch Oktober 2017

Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.

Lukas 15, 10.

Der Satz ist eine verkürzte Wiederholung von Vers 7, wo man sich im Himmel über diesen einen, der Buße tut, mehr freuen wird als über 99, die der Buße nicht bedürfen. Beide Sätze beschließen je ein Gleichnis, wo es um ein einzelnes Verlorenes aus eine größeren Menge geht: eins von hundert Schafen einer Herde, eine von zehn Drachmen einer Frau. Demnach ist zentral nicht allein die Freude über den einen, der Buße tut, sondern über die Vollständigkeit der Herde oder der Geldmünzen.

Anlass der beiden Gleichnisse ist der Unwille der pharisäischen Frommen, dass Jesus Sünder aufnimmt und mit ihnen Tischgemeinschaft hat. Mit den Gleichnissen erinnert Jesus sie an einen ihrer eigenen Grundsätze: die Verantwortung für ganz Israel, die es verbietet, einen „verlorenen Sohn“ abzuschreiben; es folgt auch gleich die Geschichte, die meistens diesen Titel hat, von den beiden Brüdern des Vaters, der den, der in der Fremde gescheitert ist, fürstlich aufnimmt, worüber der, der immer treu bei ihm war, grollt. Ob der sich dann zum reumütigen Heimkehrer bekehrt, bleibt absichtlich offen.

Damit ist das ganze 15. Kapitel umrissen, das eine geschlossene Einheit bildet. Der Monatsspruch ist nur in diesem Zusammenhang nicht trivial, wie er es alleine wäre. Der Anspruch der daraus spricht ist hoch: Um der Vollzahl der Kinder Gottes willen Mühen und Geduld aufbringen, bis auch der letzte Ausgegrenzte wieder dazu gehört.

Wichtig dabei: der, um den sich der Hirte, die Frau, der Vater vor seinem zuhause gebliebenen Sohn bemüht, wird nicht angepasst, kriecht nicht zu Kreuze, sondern bleibt er selber. Als solcher soll er dazugehören!

Die metánoia wird oft mit Buße oder Umkehr übersetzt, sie ist aber mehr als ein persönlicher Schritt in neue Verhaltensweisen, sie ist vor allem die Annahme der Einladung Gottes in das Neue, das anbricht, und die Teilhabe daran – nicht eine Anpassung an überkommene Moral…