zu Matthäus 17, 1-9, 25.01.2015

Predigt von Tilman Hachfeld im Gottesdienst der Evangelischen Stadtmission Berlin-Friedrichshagen

Lieder vor der Predigt: EG 71, O König aller Ehren…; 1+2+5+6, 179, 1, Allein Gott in der Höh’… und 196, 1+2, Herr, für dein Wort sei hochgepreist…

Weitere Texte: Psalm 97, Apostolisches Bekenntnis und Exodus (2. Mose) 34, 4 – 6.:

Und Mose behaute zwei steinerne Tafeln wie die ersten und machte sich früh am Morgen auf und stieg hinauf zum Berg Sinai, so wie der HERR ihm geboten hatte. Und in seine Hand nahm er die zwei steinernen Tafeln.   Und der HERR stieg in der Wolke hinab und stellte sich dort neben ihn und rief den Namen des HERRN.    Und der HERR ging an seinem Angesicht vorüber und rief: „Der HERR, der HERR, Gott, barmherzig und gnädig, langatmig und reich an Huld und Treue, der Gnade bewahrt bis in die 1000. Generation und Schuld und Missetat verzeiht.“

Predigttext aus Matthäus 17, 1 – 9.:

Sechs Tage später nimmt Jesus den Petrus, den Jakobus und dessen Bruder Johannes mit sich und führt sie weg von den anderen auf einen hohen Berg. Da wurde er vor ihnen verwandelt und sein Gesicht strahlte wie die Sonne und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. Und siehe, es erschienen ihnen Mose und Elia, die mit Jesus redeten.  Da reagierte Petrus zu Jesus, indem er sagte: „Herr, das ist schön für uns, hier zu sein. Wenn du willst, baue ich drei Laubhütten, dir eine, Mose eine und Elia eine.“  Er redete noch, da warf eine helle Wolke ihren Schatten auf sie, und da war eine Stimme, die sprach aus der Wolke: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Auf ihn sollt ihr hören.“ Die Jünger, das hörend, fielen auf ihr Angesicht und fürchteten sich sehr.  Da trat Jesus zu ihnen, rührte sie an und sprach: „Steht auf und fürchtet euch nicht!“  Als sie ihre Augen wieder aufhoben, sahen sie niemanden mehr außer Jesus allein.Und beim Abstieg vom Berg gebot ihnen Jesus: „Ihr sollt niemandem von der Erscheinung erzählen, bis der Menschensohn von den Toten auferweckt sein wird.“

Liebe Gemeinde,

was uns der Evangelist hier berichtet, ist außergewöhnlich; auch für die Gemeinschaft der zwölf engsten Jünger Jesu mit ihrem Meister. Nur in der Geschichte von Jesu Taufe gibt es Anklänge – aber da waren die Jünger, soviel wir wissen, nicht dabei.

Ungewöhnlich schon, dass Jesus drei aus der Zwölfergemeinschaft herausruft, hier zum ersten Mal: Petrus und die Brüder Jakobus und Johannes; von den vier zuerst berufenen Jüngern fehlt dabei Andreas, der Bruder des Petrus, wie auch beim nächsten und letzten Mal, wenn er sie im Garten von Gethsemane mit sich nimmt, als er im Gebet mit Gott darum ringen wird, ob er den bitteren Kelch des Leidens wirklich leeren muss.

Jesus nimmt die drei mit auf einen hohen Berg. Man könnte auch lesen: auf den hohen Berg. Aber der ist keine geografische Größe, sondern ist bestimmt durch seine Funktion; es ist, wie hier berichtet wird, der Berg der Gotteserkenntnis oder der Gottesbegegnung. Am Ende des Evangeliums wird der auferstandene Jesus dort den Jüngern erscheinen und sie in alle Welt senden zu lehren und zu taufen. Und es ist der Berg auf dem Mose Gott begegnet, um die Bundesordnung für Israel in Empfang zu nehmen und ihn als den Barmherzigen und Gnädigen, zu erkennen, langatmig und reich an Huld und Treue. Wenn Mose danach vor Israel tritt, leuchtet sein Gesicht wie hier das Jesu. Und es ist der Berg, auf dem der Prophet Elia Gott begegnet, um zu erfahren, dass der sich im Hauch eines Nichts auch schweigend verweigern kann…

Den drei Jüngern, als Jesus sie hier mit sich nimmt, wird das alles noch nicht bewusst sein. Für sie ist es einer der hohen Berge, deren es in der weiteren Umgebung ihrer galiläischen Heimat einige gibt. Verwunderung, dass Jesus sie von den anderen weg mit sich nimmt, wird sie bewegt haben, und Neugier: was will er ihnen wohl zeigen? Doch oben angekommen zeigt er ihnen gar nichts. Die Aussicht aufs Land interessiert ihn nicht, und auch seinen drei Gefährten entzieht er sich. Sie sehen nur mit Verwunderung, dass er zu einer Lichtgestalt wird, die sie blendet, und mit zwei – ich denke: ebensolchen Lichtgestalten – im Gespräch ist. Diese beiden anderen müssen ihnen nicht vorgestellt werden, als unterrichtete Juden wissen sie, dass es nur Mose und Elia sein können.

So stehen die drei Jünger da und wissen nicht, was sie mit der Erscheinung anfangen sollen. Petrus erträgt das nicht. Jesus hat sie hierher mitgenommen, Jesus muss dabei doch eine Absicht gehabt haben, und in seiner Ratlosigkeit spricht er ihn, obwohl der im Gespräch mit den anderen ist, an: Schön ist es, und drei Hütten will er ihnen errichten, zum Schutz gegen die Sonne, wie zum Laubhüttenfest, denn irgendetwas muss er tun, praktisch wie er veranlagt ist, und vielleicht auch, um diese wunderbare Erscheinung festzuhalten…

Ach, wie gut kann ich Petrus hier verstehen, aber er ist hier, so würde man leger sagen, wieder einmal voll daneben. Noch während er seinen Vorschlag macht, zieht eine Wolke vor die Sonne, die aber sonnenhell ist, und eine eine Stimme erschallt: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Auf ihn sollt ihr hören.“ Das wirft die Jünger zu Boden, vor Angst zitternd liegen sie da, bis Jesus sie anrührt, erst mit der Hand, dann mit den Worten: „Steht auf und fürchtet euch nicht!“ – und alles ist wieder, als wäre nichts gewesen. Aber beim Abstieg vom Berg nimmt Jesus die drei in die Pflicht, von dieser Erscheinung zu schweigen „bis“, so sagt er, „der Menschensohn von den Toten auferweckt sein wird.“ Auch das werden sie erst später verstehen. Stattdessen fragen sie Jesus anderes, fragen nach Elia und dessen Wiederkunft – aber das ist schon eine andere Geschichte.

So weit die drei Jünger mit ihrer Ratlosigkeit. Wir als Leser oder Hörer der Geschichte haben einen weiteren Blickwinkel. Was sehen wir da mehr als die Jünger? Da ist vor allem der zeitliche Rahmen der Erzählung. „Sechs Tage später“, so setzt sie ein: das bezieht sich auf Jesu erste Ankündigung, dass er nach Jerusalem gehen, dort leiden und getötet und nach drei Tagen auferweckt werden wird. Dagegen hatte Petrus protestiert und von Jesus eine gründliche Abfuhr erfahren: „Fort mit dir, Satan, hinter mich!“. Und jetzt, beim Abstieg vom Berg, kommt das Schweigegebot dazu, „bis der Menschensohn von den Toten auferweckt sein wird.“

Unser Predigttext von Jesu Verklärung gehört in die Epiphaniaszeit, die mit der heute beginnenden Woche zu Ende geht, die Zeit, in der vom Licht die Rede ist, das mit Jesus in die Welt kommt und sie, und uns in ihr, erleuchtet. Der zeitliche Rahmen aber spricht von Passion, vom Leiden Jesu, und von der Auferstehung, in die ihn das führen wird, und damit verweist er uns auf die mit nächstem Sonntag beginnende Passionszeit. Das Licht, das in die Welt kommt, muss durch dieses Leiden hindurch, und durch alles Leiden hindurch scheint das Licht der Gottesnähe in die Welt. Wir müssen es nur sehen wollen!

Mit den Jüngern erleben wir Jesus hier in der Gemeinschaft mit Mose und Elia, den Mittlern zwischen Gott und seinem Volk, seinen Führern in die Freiheit, mit Mose aus der Sklaverei in Ägypten, mit Elia aus dem Götzendienst der Baalspriester, und Verkündern von Gottes Willen. Sie stehen hier auch für die hebräische Bibel, das Alte Testament, von dem auch Jesus als „Mose und die Propheten“ spricht. Von beiden, von Elia in der Bibel, von Mose in außerbiblischen Erzählungen heißt es, dass sie ohne den menschlichen Tod zu erleiden in den Himmel aufgenommen wurden; so bleiben sie für Israel gegenwärtig und auch zukünftig, nicht nur in den Schriften: Sie sind bei Gott Garanten für die verheißene Erlösung nicht nur Israels, sondern der ganzen Schöpfung, die mit Elias Wiederkunft ihren Anfang nehmen soll.

Diesen beiden wird Jesus hier nicht einfach zugesellt als ein Dritter im Bunde und im Himmel, sondern er wird in dieser Erzählung für uns, was Mose und Elia für Israel sind, und erschließt uns die Schriften der Hebräischen Bibel. So wird er uns zur Gemeinschaft mit Gott als dem Barmherzigen und Gnädigen, langatmig und reich an Huld und Treue, und der Garant, dass am Ende der Geschichte, dem Anbruch der Ewigkeit, Gottes heilsames Tun, sein Frieden für die ganze Schöpfung stehen wird.

Das möge uns ermutigen, dieses Heil auch schon in unseren heillosen Tagen zu tun und diesem Frieden in unserer friedlosen Zeit zu dienen. Das scheint schwierig und, wie es sich in den letzten Wochen darstellt, aussichtslos. Dennoch können wir es tun an unserem Ort und nach unseren Kräften, denn nicht wir müssen, sondern Gott wird alles vollenden. Amen

Lied EG 293 Lobt Gott den Herrn, ihr Heiden all..

(Gebet) Herr, unser Gott, wir danken Dir, dass Du uns begegnen willst; begegnen in Deinem schriftlichen Wort der Bibel, bei Mose und den Propheten und in den Schriften des Neuen Testaments. Lass Dich darin finden, indem Du aus den alten Worten Deinen zeitlosen Trost in unsere Zeit sprichst. Wir danken Dir, dass Du uns Zukunft eröffnest auch wo wir noch nicht weiter sehen als bis zum nächsten Tag, und Wege zeigst, wo wir meinen, in Sachgassen geraten zu sein.

Herr, der Du Dein Volk aus der Knechtschaft befreist, lass uns erkennen, wie wir Freiheit so leben können, dass sie auch anderen Freiheit lässt und schafft. Der Du Deinem Volk eine Lebensordnung gibst, zeige uns, wie wir das Leben so organisieren können, dass niemand Mangel leiden muss, nicht an Nahrung, nicht an Bildung, nicht an Liebe und Anerkennung.

Lass so Frieden werden, Frieden in der Ukraine, so, das jede und jeder das So-Sein der anderen achtet und schützt; lass Frieden werden in Israel, so, dass die, die heute noch einander misstrauen und bekämpfen, gemeinsam an der Zukunft bauen. Lass Frieden werden im Nahen Osten, der allen ihre verschiedenen Lebens- und Glaubensweisen garantiert. Lass Frieden werden in Afrika und in allen Gebieten der Welt, wo die einen den anderen etwas aufzwingen oder anderes verbieten wollen. Lass uns für das, worum wir bitten, eintreten, gerade auch in unserer eigenen Stadt und im eigenen Land, dass, wer hierher flieht vor Verfolgung oder Zukunftslosigkeit, Aufnahme und die Möglichkeit zu freier Entfaltung bekommt. Herr, oft neigen wir dazu, alle Bemühungen um eine bessere Welt für sinnlos zu halten. Bewahre und vor der Sünde der Resignation.

Und behüte auch unsere Gemeinschaft; lass uns aufmerksam sein, wo jemand unsere Nähe und Hinwendung braucht; sei mit unseren Kranken an Leib oder Seele, mit allen, denen das eigene Leben verbaut scheint, allen, die sich einsam fühlen. Schenke Vertrauen auf Dich und unsere Zukunft in Dir für die Zeit und die Ewigkeit.

All unser Bitten und all unser Hoffen legen wir in das Gebet, das Jesus uns gelehrt hat:

Unser Vater im Himmel…