Wünsche für 2017

Liebe Freunde, Bekannte, Verwandte,
auch das Jahr 2016 hat mir keine Lust zu humorvollem oder ironischem Reimen gemacht. Dennoch ein paar Gedanken ihm hinterher und dem neuen voraus.
Euch / Ihnen allen wünsche ich alles Gute für die nächsten 12 und mehr Monate!
Sylvester 2016                                                                                          Tilman Hachfeld
Das Jahr endet. Nicht endet der Krieg in Syrien und seinen Nachbarländern, nicht das Elend, das viele Afrikaner zur Flucht nach Europa treibt, nicht das Ertrinken im Mittelmeer, nicht die Verhaftungen in der Türkei.
Nicht enden die Waffengeschäfte mit Diktatoren und Kriegstreibern, nicht die Abschiebungen von Gefährdeten nach Afghanistan, nicht das Gerede von Obergrenzen gegen die grundgesetzlich garantierte Aufnahme aller, die bei uns Asyl suchen.
Nicht enden die Anpassungen in der bürgerlichen Mitte und ehemaligen Linken an die Angstmacherei rechter Populisten.
Die Liste der nicht endenden Übelstände, wollte man sie fortsetzen, wäre selber unendlich.
Das Jahr endet. Nicht enden darf die Wachsamkeit gegen rechte Parolen, intellektuelle Unredlichkeit und Geschäftemacherei mit Kriegswerkzeug.
Nicht enden darf die Aufnahmebereitschaft für anderswo Bedrohte, sei es von Krieg, sei es von Verfolgung und Diskriminierung, sei es von Hunger und Zukunftslosigkeit.
Nicht enden darf die Forderung nach gerechter Teilhabe aller an allen materiellen und ideellen Güter im eigenen Land, in Europa und weltweit.
Nicht enden darf die Hoffnung auf eine bessere Welt.
Hoffnung, wenn sie ernst gemeint ist, ist nicht Vertröstung auf später, sondern Vorwegnahme des Erhofften.
Deshalb wollen wir, auch angesichts vieles Schrecklichen,
* weiter und verstärkt offen sein für Menschen, die in ihrer Heimat verfolgt, diskriminiert, jeglicher Gewalt ausgesetzt sind und keine würdige Zukunft erkennen;
* aller öffentlichen („postfaktischen“) Lüge deutlich widersprechen;
* der Anonymisierung und der Umverteilung des materiellen und kulturellen Reichtums von unten nach oben Modelle einer gerechten Teilhabe aller entgegenstellen;
* feiern, was es dennoch zu feiern gibt: Das Leben, die Liebe, die Natur um uns herum, die Kunst, die nicht nur heiter und schön ist, sondern auch zum Nachdenken zwingt (2017 finden z. B. die 57. Kunstbiennale in Venedig, die 14. Documenta in Kassel und im Oktober in Donaueschingen wieder die Tage für neue Musik statt – und allenthalben vieles mehr);
* einander nicht aus den Augen und nicht aus dem Sinn verlieren.
Ich denke, dass das Festhalten an der Hoffnung für die Welt uns mit Gott verbindet, der nicht nur die Schöpfung in Gang gesetzt hat, sondern sie auch mit uns an sein Ziel führen will. Deshalb geschieht jeder Einsatz für das Leben, für Freiheit und menschliche Würde ihm zur Ehre und damit der Welt zum Heil (wer will, kann diesen Absatz humanistisch ohne den Begriff „Gott“ umformulieren – es wird auf das selbe hinauslaufen…).